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Neue Geschichten

In jenem Sommer

Ich denke oft zur?ck an jenen Tag im Sommer.
Die gro?en Ferien hatten gerade begonnen. Tim, Manuel und ich hatten das Schuljahr mit Ach und Krach geschafft. ?Zu viele Flausen im Kopf?, war die Erkl?rung unserer Eltern. Vielleicht hatten sie sogar Recht damit.
Wir standen gerade an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Erwachsenwerden hei?t lernen, hei?t ausprobieren, hei?t neugierig sein. Und wir waren neugierig ? und wie!

Den Dingen auf den Grund zu gehen, war unsere Leidenschaft geworden. Detektivspiele einfach das Gr??te. Geheimnisse! Wo wir hinschauten, steckte die Welt voller Geheimnisse. Was verbarg sich zum Beispiel in dem verfallenen Schuppen hinter Lohmeyers Haus, das schon so lange verlassen war und doch hermetisch abgeriegelt? Wir fanden es heraus. Zugegeben, ein wenig entt?uscht waren wir schon, als wir dieses Geheimnis enth?llten. Gartenger?te, nichts als Gartenger?te. Spannend war es trotzdem gewesen, wie wir uns unter dem Zaun hindurch einen Weg auf das Grundst?ck gebahnt hatten. Wie richtige Verbrecher kamen wir uns vor, als h?tten wir uns gerade einen Tunnel zur Bank von England gegraben.
Aufregender war da aber schon die Liebschaft von Lehrer Nowotny mit einer Sch?lerin aus der Zehnten. H?tten die Beiden gewusst, wie ausgekl?gelt unser ?berwachungssystem war, vielleicht h?tten sie mehr Vorsicht walten und sich sp?ter nicht in flagranti erwischen lassen ? ausgerechnet von Nowotnys Ehefrau. Der Skandal in unserer Kleinstadt war perfekt und wir drei Freunde verrieten niemandem, wieviel wir wussten. Auch nicht, dass wir von dem anonymen Brief wussten, der in Nowotnys Briefkasten gelegen hatte...

Jener Tag im Sommer versprach schon am Morgen Rekordhitze. Wir w?rden zum Badesee fahren. Tim hatte beim Tauchen eine H?hle entdeckt, die wir zu dritt erkunden wollten. ?Komm p?nktlich nach Hause?, rief meine Mutter mir ? wie immer ? nach, wohl wissend, dass der Begriff ?p?nktlich? von mir sehr gro?z?gig ausgelegt werden w?rde. Aber, ein Versuch konnte nicht schaden, nicht wahr?

Ich trat in die Pedale meines funkelnagelneuen Mountainbikes und beeilte mich, heute mal als erster am Treffpunkt zu sein. Eigentlich probierte ich das jeden Tag, aber es gelang mir nie. Irgendwie schaffte es Manuel, immer vor uns bei der Parkbank zu sein, die ? so hatten wir minuti?s ausgerechnet ? exakt in der Mitte unserer drei H?user lag.
?Wo bleibst du denn??, rief Manuel auch schon ungeduldig, als er mich kommen sah.
?Spinnst du? Ich bin sogar zehn Minuten zu fr?h. Also, was soll dieser Affenaufstand??, gab ich genervt zur?ck. Manuel hatte seiner Mutter wieder einmal eine Handvoll Zigaretten geklaut. Was lag n?her, als ganz im Stil Heranwachsender, l?ssig und dennoch m?hsam das Husten unterdr?ckend, ?eine zu qualmen?? Mit den Glimmstengeln in der Hand, die Fahrr?der an die Bank gelehnt, warteten wir auf Tim.

Doch er kam nicht.
?Der Penner, hat der uns etwa vergessen??, maulte Manuel, w?hrend mich ein ungutes Gef?hl beschlich. Als wir am Vorabend auseinander gegangen waren, hatte Tim etwas von einer Verabredung gemurmelt. Verflixt, warum hatte ich blo? nicht besser zugeh?rt.
?Ach was, komm, wir holen ihn zu Hause ab?, forderte ich Manuel auf und schon schwangen wir uns auf unsere R?der. Bei Tims Haus angekommen, stellten wir fest, dass sein Fahrrad nicht dort war. Tim ging nirgendwo ohne sein Fahrrad hin. Er musste also schon unterwegs sein. Um sicher zu gehen, schellten wir an der Haust?r. Tims Mutter ?ffnete und war ?berrascht, Tim nicht bei uns zu sehen.
?Er ist schon vor einer Stunde weg?, sagte sie nur und ein Schatten von Besorgnis flog ?ber ihr Gesicht.
?Vielleicht ist er schon zum See vorgefahren?, versuchte ich sie zu beruhigen. Sie schien erleichtert ?ber das m?gliche Missverst?ndnis und w?nschte uns noch viel Spa?, w?hrend Manuel und ich bereits wieder auf unseren R?dern sa?en und dem Badesee zupreschten.
?Dieser Bl?dmann?, fing Manuel wieder das Maulen an. ?Treffpunkt ist die Bank, das wei? er doch ganz genau. Warum also wartet der Depp nicht auf uns??
Sicherheitshalber machten wir noch einen Schlenker durch den Park, nur um uns zu vergewissern, dass Tim nicht genau dort auf uns wartete, aber erwartungsgem?? fanden wir den Treffpunkt leer vor.
?Ich wei? nicht, das ist irgendwie komisch. Er hat gestern irgendetwas von einer Verabredung gefaselt. Aber ich hab? keine Ahnung, wo, wann und mit wem?, versuchte ich zaghaft, mein mulmiges Gef?hl in Worte zu fassen.
?Stimmt!?, rief Manuel aus. ?Von irgendsoeinem Kerl hat er gesprochen. Der wollte ihm seine Schlangen zeigen!?
Ich wurde aufgeregt. Manuel wusste also mehr als ich. Vielleicht konnten wir das R?tsel um Tim ganz schnell l?sen.
?Los, sag schon, hat er erw?hnt, wo der Kerl wohnt??
Manuels Gesicht war ganz rot geworden vor Aufregung.
?Warte, ich glaub? er hat was von Hillmannsg?sschen gesagt!?

Hillmannsg?sschen, das lag in einem Viertel, wo die Leute oft kaum selbst genug zu essen hatten. Kaum zu glauben, dass dort ein Reptilienliebhaber wohnen sollte. Aber wir hatten keinen anderen Anhaltspunkt. Also fuhren wir dorthin. Wir mussten nicht einmal lange suchen. Im Hauseingang Nummer 5 lehnte Tims Fahrrad an der Wand. Detektive, die wir waren, stellten wir unsere R?der zwei H?user weiter ab und dr?ckten uns an den Hausw?nden entlang zur?ck zu Haus Nummer 5. Ein zuf?lliger Beobachter h?tte sich vermutlich k?stlich am?siert ?ber soviel Dilettantismus, aber gl?cklicherweise schien im Hillmannsg?sschen niemand wirklich an seiner Nachbarschaft interessiert. Das T?rschloss von Nummer 5 verdiente seinen Namen wohl schon lange nicht mehr, jedenfalls lie? sich die Eingangst?r durch leichten Druck ?ffnen und so setzten wir unsere ?Ermittlungen? im Hausflur fort. Es roch s?uerlich, nach altem M?ll. Irgendwo weiter oben heulte ein S?ugling. Uns war unheimlich zumute. Hinter welcher T?r wohnte der Schlangenmann? Und was hatte er mit Tim angestellt?
Wir wussten, wenn Tim eine Verabredung vers?umte, dann nur, weil ihn jemand daran gehindert hatte. Was hatte dieser Mistkerl mit unserem Kumpel angestellt? Und vor allem: wie konnten wir Tim helfen? Tausend Fragen schossen uns durch den Kopf. Manuel schaute genauso ratlos drein wie ich selbst.
?Was machen wir denn jetzt??, fragte er ?berfl?ssigerweise.
?Woher soll ich das wissen??, zischte ich zur?ck. Ich sah Tim gefesselt und geknebelt, wer wei?, vielleicht sogar blutend auf dem Boden liegen. Sah ihn im W?rgegriff einer Riesenschlange! H?rte ihn um Hilfe schreien und um Gnade flehen. Ich war vor Angst wie gel?hmt. Wir mussten etwas tun. Am besten, wir gingen zur Polizei!
?Komm, wir gehen zu den Bullen?, fl?sterte ich Manuel zu, der mich aus schreckgeweiteten Augen anstarrte.
?Bist du ?bergeschnappt? Was sollen wir denen denn sagen??, fragte er und in diesem Augenblick w?nschte ich mir, ich h?tte bei der Auswahl meiner Freunde mehr auf deren Intelligenz als auf ihren Abenteuersinn geachtet.
?Frag nicht so bl?d, komm jetzt!?, herrschte ich ihn an und wandte mich der Haust?r zu. Manuel trottete hinter mir her.

In diesem Augenblick ?ffnete sich weiter oben eine T?r. Stimmen waren zu h?ren. Tim!
?Kann ich beim n?chsten Mal meine Kumpels mitbringen??, h?rte ich ihn fragen und eine tiefe Stimme antwortete gutm?tig:
?Ihr Bengels macht wohl alles gemeinsam, was? ? Klar, bring sie mit. Bestimmt haben die auch noch nie mit einer Schlange gespielt.?

Ich schw?re, in diesem Augenblick klappte mein Kiefer herunter wie die ?bervolle Schaufel an einem Bagger. Tim, unser Freund Tim, kam fr?hlich die Treppe herunter und grinste ?bers ganze Gesicht, als er uns sah.
?Na, ihr Chaoten, was macht ihr denn hier??
?Wir.... wir..... wir wollten dich retten?, gab ich d?mmlich zur?ck.
?Retten? Hahaha, vor was denn??
Es war mir peinlich, ihm zu sagen, dass ich ihn in den H?nden eines Kindersch?nders gew?hnt, ihn tot oder verletzt am Boden hatte liegen sehen. Mein Kopf war puterrot geworden und ich konnte nicht antworten. Doch Manuel, mein lieber Freund Manuel, rettete mich vor dieser Peinlichkeit.
?Ach, vergiss es?, sagte er. ?Eigentlich wollten wir nur Detektivspielen. Und au?erdem wollten wir rauskriegen, wo du steckst!?
Tim grinste schelmisch.
?Tja, Jungs, ich war beim Schlangenmann. Voll spannend, kann ich euch sagen. Und das Beste: das n?chste Mal k?nnt ihr auch mitkommen! Und jetzt los, ihr Knallt?ten, wir wollten doch zum See, oder nicht??
Gen?sslich rieb er den dicken Apfel, den er in der Hand hielt, an seinem Pullover, bis er gl?nzte.
?Den hat mir der Schlangenmann geschenkt. Voll witzig, der hei?t n?mlich Adam!?

Denke ich heute an den Tag in jenem Sommer zur?ck, erlebe ich wieder die Angst um den Freund, erlebe die Erleichterung und schmecke den Apfel, den Tim damals nat?rlich mit seinen besten Freunden teilte.
29.11.04 22:25


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