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Meine Gedanken

Der alte Mann und sein Lied ...oder: Du kannst nicht immer 17 sein

Mit fortschreitendem Alter nimmt der Grad der Nostalgiebereitschaft proportional zu. Das ist weder verwunderlich noch verwerflich und manchmal sogar mit einem kindlich gebliebenen Gemüt zu entschuldigen. Nur so kann ich mir erklären, dass ich schon seit einer Woche dem Schottener Pfingstmarkt entgegenfieberte. Ich, die Volksfesten schon seit langem nichts mehr abgewinnen kann und Ansammlungen von mehr als drei Menschen meidet, wenn sie kann.
Der Grund für meine Vorfreude ist in oben erwähnter Nostalgiebereitschaft zu finden und hat sogar einen Namen. Chris Roberts, mein Sängerschwarm aus Kindertagen, der ein glückliches Mädchen aus mir machen wollte, bis mir Jürgen Marcus mit einer neuen Liebe auch gleich ein neues Leben versprach und den Sunnyboy Chris aus meinen Teenieträumen vertrieb.
Eben jener Chris würde nun also in Schotten gastieren und ich hatte mir vorgenommen, dabeizusein. Einerseits - das kann ich nicht leugnen - um noch einmal dem Schlagerflair der 70er nachzuspüren … andererseits – und das gebe ich offen zu – wollte ich mal sehen, was aus meinem Schwarm geworden ist.

Das Festzelt war bereits bei unserem Eintreffen brechend voll, immerhin ergatterten wir eine freie Bank draußen. Ein sogenannter Conférencier – zumindest verstand er sich offenbar als solcher – spulte mit dem Temperament einer Schlaftablette sogenannte „Gags“ ab, die einen Bart hatten, der, einmal um den Erdball gewickelt, noch mindestens drei Kilometer überlappt, ähnlich wie der Schwanz einer Kobra, die sich um ihre Beute geschlungen hat.
Die Band mit einem minzigen Namen brachte mit Titeln aller verfügbaren neuen und alten deutschen Wellen das Publikum in Fahrt, kurz unterbrochen durch Tanzeinlagen zweier Stadtteiltanzgruppen, über deren Leistung ich nicht das Geringste sagen kann, weil ich die Veranstaltung bis dahin rein akustisch zu verfolgen in der Lage war.
Dann war es endlich so weit. Chris Roberts, „eine Legende des deutschen Schlagers“ wie ihn der bemühte Ansager vollmundig ankündigte, betrat die Bühne – und bevor ich auch nur einen Blick auf meinen ehemaligen Schwarm werfen konnte (ich bin ja nunmal nicht die Größte und auch für einen Altstar steige ich nicht auf Tische), empfand ich aufrichtiges Mitleid. Herrje, der Mensch hat 11 Millionen Schallplatten verkauft, war in unzähligen Fernsehsendungen zu Gast, hat (grottenschlechte – aber immerhin!) Filme gedreht und im Verlauf seiner Karriere sicher mehr verdient, als ich im Laufe meines gesamten Lebens auszugeben bereit und in der Lage wäre. Und genau dieser Mensch muss sich auf seine alten Tage in Kleinstadtfestzelten prostituieren statt in (s)einer Villa am Meer dem Rauschen desselben zu lauschen. Diese Erkenntnis war der erste Schlag in meine Magengrube. Den zweiten erhielt ich, als ich das Innere des Zelts betrat und in direkter Nachbarschaft einer Lautsprecherbox in einen Stau geriet. Nein, die Lautstärke war es nicht, die mir dieses körperliche Unbehagen bereitete. Vielmehr die Erkenntnis: „Der Mann kann gar nicht singen“. Ich erinnerte mich an einen Schlagerskandal, bei dem der Tingelkünstler ausgebuht und zur Rückgabe der Gage genötigt wurde, weil er ein Vollplayback zur Hilfe genommen hatte.
Heute Abend hätte ich mir gewünscht, „mein“ Star hätte auch darauf zurückgegriffen. Immerhin konnte ich die geträllerten Melodien eindeutig identifizieren, was wohl in erster Linie der Tatsache zu verdanken war, dass ich als ehemaliger Hardcoreschlagerfan (aber nur bis ich 13 oder 14 war, ich schwör’s) jeden Song schon am ersten Takt erkannte. Endlich gelang es mir, zwischen Schunkelnden und Wippenden hindurch einen Blick auf den Singenden zu erheischen. Ein gnädiges Schicksal wollte, dass ich mir lediglich einen – buchstäblich weit entfernten – Gesamteindruck verschaffen konnte, der eine weitere Erkenntnis nach sich zog: „Boah, ist der alt geworden.“
Wie alt „der“ wirklich geworden ist zeigte mir nach meiner Heimkehr die Website des „Stars“. Eine Beschreibung des Grauens erspare ich mir …
Älter werden ist ja kein Verbrechen und das Natürlichste der Welt, sollte man meinen. Sunnyboy Chris sieht aber aus, als hätte er der Natur mehr als einmal und das auch nicht besonders erfolgreich auf die Sprünge geholfen.
Der Altstar war nach knapp dreißig Minuten mit seinem Repertoire am Ende und bestritt die letzte Viertelstunde mit einem Medley aus den Schlagern, die er uns bereits in den ersten beiden (Viertelstunden) gespielt enthusiastisch ins Ohr gedrückt hatte.
Sich artig für den Applaus und die geforderten Zugaben bedankend, verabschiedete sich die „Legende“ vom Schottener Publikum … und ließ mich nachdenklich zurück.
„Du kannst nicht immer siebzehn sein“, hatte ich noch im Ohr, als ich durch die verschlafene Altstadt nach Hause schlenderte. Mitleid mit dem alten Mann rumorte in meinem Bewusstsein und mein Nostalgietrip hinterließ nichts als einen schalen Geschmack in meinem Mund.
28.5.07 00:07


Abgesang für ein Äffchen

Mein erstes Auto war ein sechzehn Jahre alter VW-Käfer. Karl hieß er und ich liebte ihn wie einen Freund. Nach zehn Monaten inniger Beziehung trennte der TÜV unsere Wege für immer.
Karl folgte ein 500er Fiat, der seinem Namen alle Ehre machte: Fehler In Allen Teilen.
Von versagenden Bremsen über auf der Autobahn platzendem Reifen bis hin zur defekten Zylinderkopfdichtung habe ich mit diesem Wägelchen das Abenteuer Autofahren kennen gelernt. Ich wusste nie, ob und wie ich am Ziel eintreffen würde. Drei Monate blieben wir zusammen, dann schied uns die rettungslos kaputte Kupplung.

Was dann folgte war ein buntes Gemisch großer und kleiner Autos, die weder meine besondere Aufmerksamkeit noch meine Zuneigung erlangten.
Das schaffte erst rund fünfzehn Jahre später mein mintgrüner Fiat Punto. Obwohl ich mir geschworen hatte, nie wieder einem Fiat ein Zuhause zu geben, verliebte ich mich auf den ersten Blick.
Das „Äffchen“ gehörte einfach zu mir.
Fast acht Jahre lang waren wir ein eingespieltes Team. Kleine Macken wie die versagende Fernbedienung, das Gebläse, das nur noch auf höchster Stufe funktionierte oder den autonomen, um nicht zu sagen „willkürlichen“ Umgang mit der Zentralverriegelung bei Regenwetter sah ich meinem Äffchen nach. Ich verzieh ihm auch den gerissenen Zahnriemen, ersetzte die kaputten Stoßdämpfer und nahm mit einem Lächeln zur Kenntnis, dass der Heckscheibenwischer seinen Dienst einstellte.
Äffchens Macken machten es für mich zu etwas ganz Besonderem.
Warum sein Tacho auf ganz bestimmten Strecken nichts anzeigte, blieb Äffchens Geheimnis, ebenso wie das krachende Geräusch, das es beim Überfahren kleinster Unebenheiten produzierte – übrigens zum allgemeinen Schrecken unbescholtener Passanten.

Eines Tages trieb das Äffchen den Spaß jedoch eindeutig zu weit. Offenbar war ihm unser Leben zu langweilig geworden und so erdachte es – das Äffchen, nicht das Leben – ein neues Spiel, das fortan Spannung in unsere Beziehung brachte.
Gebläse und Scheibenwischer nahmen ihre Tätigkeit nur noch nach eigenem Gutdünken auf – vorzugsweise bei Temperaturen nicht unter 25°C und wüstenähnlicher Luftfeuchtigkeit.

Der Herbst war trocken und dank der Klimaveränderung überdurchschnittlich warm. Als ich das letzte Kalenderblatt des Oktobers abriss, wusste ich, Äffchen würde sein grausames Spiel nicht freiwillig beenden.
Der Automechaniker in der Werkstatt schüttelte den Kopf, zuckte mit den Schultern, schüttelte wieder den Kopf. Äffchen verfügte, trotz manuell unterbrochener Stromversorgung, über Funktionen, die es eigentlich gar nicht haben konnte.

Der Abschied war unumgänglich.
Heimlich, wenn Äffchen nicht dabei war, hatte ich mich bereits nach einem würdigen Nachfolger umgesehen.
Um den Kauf unter Dach und Fach zu bringen, wählte ich einen sonnigen Tag im November. Auf seiner letzten Reise zeigte sich Äffchen noch einmal ganz von seiner Schokoladenseite. Die Wischer brauchte ich nicht, der Motor schnurrte wie ein Kätzchen und selbst das Krachen aus dem Fahrwerk schien mir an diesem Tag geradezu lächerlich leise. Fast schon reumütig übergab ich dem Händler Äffchens Schlüssel und nahm den Zündschlüssel für meine Neuerwerbung in Empfang.
Tiefblau und blitzeblank stand er in der Sonne und erwartete mich.

„Er soll Paul heißen“, sagte ich, winkte Äffchen noch einmal zu und verließ den Autohof, nicht ahnend, welche Abenteuer mir Paul bescheren würde …
11.4.07 23:48


Verzogen

Ruhelos streift der Kater durch die unbekannte Wohnung, ängstlich zuerst, den Bauch fast am Boden. Fast panisch reagiert er auf jedes Geräusch, jede Bewegung, beschnuppert neue und alte Möbel. Sichtbar angespannt und offenbar hochgradig verwirrt.
„Katzen sind Fatalisten“, hat mein Kollege behauptet. Also wird sich auch mein Kater in sein Schicksal fügen, denke ich.
Es folgt der zweite Eroberungszug. Er springt auf Tische, Stühle, Schränke, Fensterbänke, Regale – kurz alles, was für die Sprungkraft seine 6-jährigen Beine noch erreichbar ist. Das allein macht mich schon wahnsinnig, aber der dumpfe Knall, der seine Landung auf dem Boden begleitet, dröhnt in meinen Ohren. Die Nachbarn, was werden die Nachbarn sagen?
Sie beäugen uns ohnehin misstrauisch, wenn sie uns im Treppenhaus begegnen, mit Blicken, als warten sie nur darauf, uns irgendwas vorwerfen zu können.
Und jetzt hat dieser Kater nichts Besseres zu tun, als lärmend die Nacht zu verbringen. Ich gehe vorsichtshalber heute nicht schlafen, damit ich das animalische Ungestüm einfangen kann, wenn der Toberei zu viel wird. Was sollen denn die Nachbarn sagen?
Obwohl inzwischen alle Räume eingerichtet sind, hallt jedes Geräusch zwischen den Wänden wider. Ich bewege mich auf Zehenspitzen, ängstlich darum bemüht, keinen Lärm zu verursachen. Baden und Duschen nur bis 22 Uhr, jede dritte Woche Kehrwoche – das entnehmen wir einem Kalender, der mit der Aufforderung „Treppenhaus keren, bitte Einhalten“ strategisch geschickt exakt gegenüber unserer Wohnungstür platziert wurde - und den Trockenraum im Keller dürfen wir an jedem ersten Montag im Monat benutzen … oder so. Da lobe ich mir die technische Errungenschaft des Kondenswäschetrockners, zu dessen Anschaffung ich bereits in meiner alten Wohnung gezwungen war. Der macht mich unabhängig von Montagen, Trockenräumen und griesgrämigen Nachbarn. Natürlich nur so lange ich die Waschmaschine außerhalb der Ruhezeiten in Gang setze.
Ruhezeiten … die gelten scheinbar nur für uns, denn aus der Nachbarwohnung ist täglich – und pünktlich zu den „Ruhe“-Zeiten, lautstarker Streit zu vernehmen. Keifende Frau gegen brüllende Männerstimme und dazwischen Kindergeplärr – bei Nachbars und im Treppenhaus.

Nachdem ich ihn etwas unsanft im Genick gepackt und gedroht habe, ihn auf den Balkon zu sperren, wo der Frühling gerade in Form von geschätzten zehn Zentimetern Neuschnee seinen Einstand gibt, hat sich der Kater – offenbar zu Tode beleidigt – ins Badezimmer zurückgezogen und erteilt meiner besorgten Umsicht damit eine schallende Ohrfeige. Die Katzenhöhle, die ich – obwohl sie vorher hartnäckig ignoriert wurde – des Umzugs für würdig befunden und in meinem Büro aufgestellt habe, bleibt auch in der neuen Umgebung unberührt. Stattdessen liegt der Kater – der berühmten Sphinx nicht unähnlich – auf der Badematte vor der Heizung. Soll er doch, Hauptsache das nervöse Hin- und Hergerenne, Getrappel, Getrampel und Gezappel hat für heute ein Ende.

Zu Katers Ehrenrettung muss ich sagen, dass eine gewisse „Grundnervosität“ ihm und mir das Leben nicht gerade leichter macht. Seit zwei Tagen bin ich ohne Kontakt zur Außenwelt, sprich: ohne Internet. Der alles beherrschende Name in unserem Haushalt ist zurzeit „Fritz“, das WLAN-Modem. Unzählige (unsinnige) Hotlineanrufe haben bisher ebenso wenig Erfolg gezeitigt wie unzählige Flüche, Stoßgebete und die Frage „Bin ich schon drin?“. Fritz ist zwar durchaus gewillt, mit mir und meinem PC zu kommunizieren, aber nach draußen lässt er mich nicht. Mein Tor zur Welt bleibt erstmal verschlossen.

Und weil das so ist und ich diesen Erguss nicht einmal irgendwo posten kann, kann ich eigentlich ebensogut ins Bett gehen und versuchen, der Nacht wenigstens noch mickrige vier Stunden Schlaf abzuringen.
24.3.07 12:32


Abschied



Bild: www. pixelquelle.de
27.8.06 07:18


11.8.06 00:46


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