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Reisetagebuch

1. Tag:
Gleich nach der Landung die Reisegruppe verloren, muss sie suchen. Keine Zeit zum Schreiben.

2. Tag:
Immer noch allein. Habe mich mit dem Strom der Mitreisenden treiben lassen, aber keinen meiner Kameraden bisher wiedergesehen. Dunkel ist es hier, dafür aber angenehm warm. Ich gebe nicht auf.

3. Tag:
Zwei von den anderen in einem schmalen Durchgang entdeckt. Gemeinsam machen wir uns auf die Suche nach dem restlichen Trupp.

4. Tag:
Endlich gefunden. Die anderen saßen gemütlich um ein kleines Lagerfeuer, als wir sie entdeckten. Wortlos gesellten wir uns zu ihnen. Sie hatten unser Fehlen nicht einmal bemerkt. Dennoch hatte ich das Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen. Ich warf etwas Holz auf die Glut und fachte das Feuer an. Anerkennung lag im Blick meiner Kameraden.

5. Tag:
Unser Lagerplatz ist nicht unbemerkt geblieben, der Lichtschein des lodernden Feuers muss uns verraten haben. Sie schickten eine Vorhut, die uns neugierig beäugte und zur Weiterreise aufforderte, doch wir blieben. Bald darauf wurden wir von weißhelmigen Soldaten umzingelt. Sie fuchtelten mit ihren Lanzen. Feiglinge!
„Löschen Sie das Feuer und räumen Sie den Platz!“, brüllte ihr Anführer. „Dies ist eine ungenehmigte Versammlung!“
„Wir bleiben!“, rief der unsrige und stocherte in der Glut, dass die Funken stoben. Zu uns gewandt fügte er hinzu: „Keine Angst, die können uns gar nichts!“
Tatsächlich beschränkte sich die martialische Truppe darauf, uns zu beobachten.

6. Tag:
Die Schweine haben Verstärkung geholt! Aus dem Nichts tauchte eine Horde Feuerwehrmänner mit Wassereimern auf. Zischend verloschen die Flammen, doch die Glut blieb unberührt. Während wir eilig versuchten, sie erneut anzufachen, wagten die Weißhelme einen Angriff. Ein paar von uns hat es erwischt. Die Feuerwehr zog sich zurück, sobald ihre Wasservorräte verbraucht waren. Wir zählten die Toten und kümmerten uns um das Feuer. Bald schon loderte es kräftiger als zuvor.

7. Tag:
Die Feuerwehr ist noch zweimal da gewesen. Von Mal zu Mal fällt es uns schwerer, danach die Glut aufs Neue zu entfachen. Die Weißhelme erzielen immer größere Erfolge. Unsere Zahl schrumpft, trotzdem glaubt der Anführer weiter an den Sieg.


8. Tag:
Ich habe genau darauf geachtet. Acht Stunden liegen zwischen den Angriffen durch die Feuerwehr. Acht Stunden, die wir zum Anheizen benutzen. Der Anführer gönnt uns keine Atempause. Die Überlebenden müssen die verlorenen Arbeitskräfte kompensieren. Das heißt: Schuften bis zur Erschöpfung und gleichzeitig aufpassen, dass dich keine Weißhelmlanze durchbohrt. So hatte ich mir die Reise wirklich nicht vorgestellt.

9. Tag:
Für einen Moment glaubte ich heute, der Anführer behielte Recht mit seinem Glauben an den Endsieg. Der Angriff der Feuerwehr blieb aus. Unser Feuer loderte prächtig, warf bizarre Schatten an die rot schimmernden Wände. Auch die Weißhelme waren müde geworden. Auf ihre Lanzen gestützt, schliefen ein paar von ihnen sogar im Stehen. Waffenstillstand? Kapitulation? Ich vermochte nicht zu sagen, in welcher Phase des Kampfes wir uns befanden, lauschte nur auf das rhythmische Pulsieren, das ich zum ersten Mal bewusst wahrnahm.
Der Angriff erfolgte verspätet, aber genauso heftig wie die vorangegangenen.
Die Feuerwehr löschte das Feuer, während der gesamte Weißhelmtrupp mit einem gebrüllten Befehl des Kommandanten an die Waffen gerufen wurde. Eingelullt von der vermeintlich friedlichen Stimmung, wurden wir von den Soldaten überrannt.
Nur eine Hand voll von uns überlebte. Zu wenige, um das Feuer zu füttern. Der letzte Rest der Glut erstickte.

10. Tag:
Die Flucht ist geglückt. Unbemerkt schlich ich mich an den Weißhelmwachen vorbei, drückte mich an der roten Wand entlang, bis ich den Strom der Reisenden erreichte. Noch immer fremd unter Fremden, aber glücklich, dem Feind vorerst entkommen zu sein, suche ich nun nach dem Ausgang … die Weißhelme sind mir auf den Fersen, ich kann sie spüren …

„Marie, Schätzchen, du weißt doch, wie wichtig es ist, das Antibiotikum pünktlich einzunehmen. Am besten alle acht Stunden … du wirst sehen, dann bist du bald wieder ganz gesund.“ Frau Heide strich ihrer Tochter liebevoll übers Haar. Das Kind lächelte schwach. Dann musste Marie niesen.
27.8.06 20:34
 


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