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Abgesang für ein Äffchen

Mein erstes Auto war ein sechzehn Jahre alter VW-Käfer. Karl hieß er und ich liebte ihn wie einen Freund. Nach zehn Monaten inniger Beziehung trennte der TÜV unsere Wege für immer.
Karl folgte ein 500er Fiat, der seinem Namen alle Ehre machte: Fehler In Allen Teilen.
Von versagenden Bremsen über auf der Autobahn platzendem Reifen bis hin zur defekten Zylinderkopfdichtung habe ich mit diesem Wägelchen das Abenteuer Autofahren kennen gelernt. Ich wusste nie, ob und wie ich am Ziel eintreffen würde. Drei Monate blieben wir zusammen, dann schied uns die rettungslos kaputte Kupplung.

Was dann folgte war ein buntes Gemisch großer und kleiner Autos, die weder meine besondere Aufmerksamkeit noch meine Zuneigung erlangten.
Das schaffte erst rund fünfzehn Jahre später mein mintgrüner Fiat Punto. Obwohl ich mir geschworen hatte, nie wieder einem Fiat ein Zuhause zu geben, verliebte ich mich auf den ersten Blick.
Das „Äffchen“ gehörte einfach zu mir.
Fast acht Jahre lang waren wir ein eingespieltes Team. Kleine Macken wie die versagende Fernbedienung, das Gebläse, das nur noch auf höchster Stufe funktionierte oder den autonomen, um nicht zu sagen „willkürlichen“ Umgang mit der Zentralverriegelung bei Regenwetter sah ich meinem Äffchen nach. Ich verzieh ihm auch den gerissenen Zahnriemen, ersetzte die kaputten Stoßdämpfer und nahm mit einem Lächeln zur Kenntnis, dass der Heckscheibenwischer seinen Dienst einstellte.
Äffchens Macken machten es für mich zu etwas ganz Besonderem.
Warum sein Tacho auf ganz bestimmten Strecken nichts anzeigte, blieb Äffchens Geheimnis, ebenso wie das krachende Geräusch, das es beim Überfahren kleinster Unebenheiten produzierte – übrigens zum allgemeinen Schrecken unbescholtener Passanten.

Eines Tages trieb das Äffchen den Spaß jedoch eindeutig zu weit. Offenbar war ihm unser Leben zu langweilig geworden und so erdachte es – das Äffchen, nicht das Leben – ein neues Spiel, das fortan Spannung in unsere Beziehung brachte.
Gebläse und Scheibenwischer nahmen ihre Tätigkeit nur noch nach eigenem Gutdünken auf – vorzugsweise bei Temperaturen nicht unter 25°C und wüstenähnlicher Luftfeuchtigkeit.

Der Herbst war trocken und dank der Klimaveränderung überdurchschnittlich warm. Als ich das letzte Kalenderblatt des Oktobers abriss, wusste ich, Äffchen würde sein grausames Spiel nicht freiwillig beenden.
Der Automechaniker in der Werkstatt schüttelte den Kopf, zuckte mit den Schultern, schüttelte wieder den Kopf. Äffchen verfügte, trotz manuell unterbrochener Stromversorgung, über Funktionen, die es eigentlich gar nicht haben konnte.

Der Abschied war unumgänglich.
Heimlich, wenn Äffchen nicht dabei war, hatte ich mich bereits nach einem würdigen Nachfolger umgesehen.
Um den Kauf unter Dach und Fach zu bringen, wählte ich einen sonnigen Tag im November. Auf seiner letzten Reise zeigte sich Äffchen noch einmal ganz von seiner Schokoladenseite. Die Wischer brauchte ich nicht, der Motor schnurrte wie ein Kätzchen und selbst das Krachen aus dem Fahrwerk schien mir an diesem Tag geradezu lächerlich leise. Fast schon reumütig übergab ich dem Händler Äffchens Schlüssel und nahm den Zündschlüssel für meine Neuerwerbung in Empfang.
Tiefblau und blitzeblank stand er in der Sonne und erwartete mich.

„Er soll Paul heißen“, sagte ich, winkte Äffchen noch einmal zu und verließ den Autohof, nicht ahnend, welche Abenteuer mir Paul bescheren würde …
11.4.07 23:48





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