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Verzogen

Ruhelos streift der Kater durch die unbekannte Wohnung, ängstlich zuerst, den Bauch fast am Boden. Fast panisch reagiert er auf jedes Geräusch, jede Bewegung, beschnuppert neue und alte Möbel. Sichtbar angespannt und offenbar hochgradig verwirrt.
„Katzen sind Fatalisten“, hat mein Kollege behauptet. Also wird sich auch mein Kater in sein Schicksal fügen, denke ich.
Es folgt der zweite Eroberungszug. Er springt auf Tische, Stühle, Schränke, Fensterbänke, Regale – kurz alles, was für die Sprungkraft seine 6-jährigen Beine noch erreichbar ist. Das allein macht mich schon wahnsinnig, aber der dumpfe Knall, der seine Landung auf dem Boden begleitet, dröhnt in meinen Ohren. Die Nachbarn, was werden die Nachbarn sagen?
Sie beäugen uns ohnehin misstrauisch, wenn sie uns im Treppenhaus begegnen, mit Blicken, als warten sie nur darauf, uns irgendwas vorwerfen zu können.
Und jetzt hat dieser Kater nichts Besseres zu tun, als lärmend die Nacht zu verbringen. Ich gehe vorsichtshalber heute nicht schlafen, damit ich das animalische Ungestüm einfangen kann, wenn der Toberei zu viel wird. Was sollen denn die Nachbarn sagen?
Obwohl inzwischen alle Räume eingerichtet sind, hallt jedes Geräusch zwischen den Wänden wider. Ich bewege mich auf Zehenspitzen, ängstlich darum bemüht, keinen Lärm zu verursachen. Baden und Duschen nur bis 22 Uhr, jede dritte Woche Kehrwoche – das entnehmen wir einem Kalender, der mit der Aufforderung „Treppenhaus keren, bitte Einhalten“ strategisch geschickt exakt gegenüber unserer Wohnungstür platziert wurde - und den Trockenraum im Keller dürfen wir an jedem ersten Montag im Monat benutzen … oder so. Da lobe ich mir die technische Errungenschaft des Kondenswäschetrockners, zu dessen Anschaffung ich bereits in meiner alten Wohnung gezwungen war. Der macht mich unabhängig von Montagen, Trockenräumen und griesgrämigen Nachbarn. Natürlich nur so lange ich die Waschmaschine außerhalb der Ruhezeiten in Gang setze.
Ruhezeiten … die gelten scheinbar nur für uns, denn aus der Nachbarwohnung ist täglich – und pünktlich zu den „Ruhe“-Zeiten, lautstarker Streit zu vernehmen. Keifende Frau gegen brüllende Männerstimme und dazwischen Kindergeplärr – bei Nachbars und im Treppenhaus.

Nachdem ich ihn etwas unsanft im Genick gepackt und gedroht habe, ihn auf den Balkon zu sperren, wo der Frühling gerade in Form von geschätzten zehn Zentimetern Neuschnee seinen Einstand gibt, hat sich der Kater – offenbar zu Tode beleidigt – ins Badezimmer zurückgezogen und erteilt meiner besorgten Umsicht damit eine schallende Ohrfeige. Die Katzenhöhle, die ich – obwohl sie vorher hartnäckig ignoriert wurde – des Umzugs für würdig befunden und in meinem Büro aufgestellt habe, bleibt auch in der neuen Umgebung unberührt. Stattdessen liegt der Kater – der berühmten Sphinx nicht unähnlich – auf der Badematte vor der Heizung. Soll er doch, Hauptsache das nervöse Hin- und Hergerenne, Getrappel, Getrampel und Gezappel hat für heute ein Ende.

Zu Katers Ehrenrettung muss ich sagen, dass eine gewisse „Grundnervosität“ ihm und mir das Leben nicht gerade leichter macht. Seit zwei Tagen bin ich ohne Kontakt zur Außenwelt, sprich: ohne Internet. Der alles beherrschende Name in unserem Haushalt ist zurzeit „Fritz“, das WLAN-Modem. Unzählige (unsinnige) Hotlineanrufe haben bisher ebenso wenig Erfolg gezeitigt wie unzählige Flüche, Stoßgebete und die Frage „Bin ich schon drin?“. Fritz ist zwar durchaus gewillt, mit mir und meinem PC zu kommunizieren, aber nach draußen lässt er mich nicht. Mein Tor zur Welt bleibt erstmal verschlossen.

Und weil das so ist und ich diesen Erguss nicht einmal irgendwo posten kann, kann ich eigentlich ebensogut ins Bett gehen und versuchen, der Nacht wenigstens noch mickrige vier Stunden Schlaf abzuringen.
24.3.07 12:32


Der Club der alten Kinder

Die Kiesel schmerzten an den Fußsohlen, aber Moritz störte das nicht. Die Mutprobe verlangte, dass er den Fluss einmal schwimmend überquerte, erst dann würde er im Seniorenclub „Alte Kinder“ Aufnahme finden. Tapfer watete Moritz weiter in das Flußbett hinein, bis er den Boden unter den Füßen verlor. Er paddelte und prustete, versuchte, den Kopf aus dem Wasser zu halten, ruderte wie wild mit den Armen. Erst jetzt erinnerte er sich: Er hatte nie schwimmen gelernt. Die „alten Kinder“ sahen ihm vom Zielufer zu, unbeweglich, unbewegt.
Am nächsten Tag stand in der Zeitung: „Wieder ein lebensmüder Rentner in die Brüche gegangen“
26.3.07 21:51





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