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Herz aus Glas



In einem Schloss, mitten im Wald, lebte eine Prinzessin mit einem Herz aus Glas. Um es zu schützen, ließ sie um den Wald einen Ring aus Steinen errichten, so hoch und so breit, dass kein Eindringling ihn überwinden möge. Doch eines Tages entdeckte der Prinz aus dem Nachbarreich einen Riss im Mauerwerk …
Als er das Schloss erreichte, sah ihn die Prinzessin erschrocken an. Sie vergaß sogar, ihr Herz mit den Händen zu bedecken. Der Prinz streckte seinen Arm aus und für einen Augenblick berührte seine Fingerspitze das gläserne Herz. Es zersprang. Zurück blieb ein fettiger Fingerabdruck auf einer durchsichtigen Scherbe.
14.4.06 09:50


Im Zeichen der Eiskuh

Was waren das noch für Zeiten, als ich – kompletter Internetfrischling, voller Euphorie über die schier unbegrenzten Kommunikationsmöglichkeiten –die „Eiskuh“ kennenlernte. Eigentlich trägt sie einen anderen Namen, aber der tut nichts zur Sache. Die Eiskuh ist nicht etwa eine geniale Neuzüchtung des deutschen Bauernverbandes, sondern ein Instant-Messaging-Programm mit eingebautem Zufallsgenerator, der mir Kontakte in alle Welt verhieß und mir die Chance geben sollte, mein angestaubtes Englisch auszugraben und auf unterhaltsame Weise aufzufrischen.
Tatsächlich füllte sich meine Buddyliste schnell mit abenteuerlichen Nicknames, deren Inhaber in den unterschiedlichsten Gebieten unseres Planeten beheimatet waren. Ich plauderte mit Indien und Australien, Neu-Seeland und Japan, Russland, USA … Ich bin sicher, meine Augen waren nie so blau wie damals, wenn ich am Rechner saß und mir plaudernderweise die Welt erschloss, die mir nach menschlichem Ermessen zumindest zum Großteil für den Rest meines Lebens versagt bleiben würde. Den Zufallsgenerator benutzte ich, um mich finden zu lassen – neugierig, mit welchem Kontinent ich als nächstes verbunden sein würde.
Nach einigen Wochen konnte ich allein anhand der Uhrzeit des erfolgten Erstkontakts bestimmen, wo sich mein Gesprächspartner befand, ob im Osten der USA oder im Westen Kanadas. Morgens war die Zeit der Australier, abends die der USA, nachmittags Asien und spätabends hatten die Kanadier ihre Eiskuh-Stunde.
Mein Englisch wurde schnell flüssiger, auch wenn die Gespräche meist nicht über die typischen W-Fragen hinauskamen. Wer bist du? Wo bist du? Was machst du? Wie spät ist es bei dir? Dennoch fand ich hin und wieder Gesprächspartner, mit denen mich nach einer Weile eine echte Freundschaft verband. Zwei davon gehören noch heute – fünf Jahre später - zu meinem internetten Alltag und sind wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden. Wer sagt, Freundschaft via Internet gebe es nicht, hat bisher nicht die richtigen Menschen getroffen! Sie kann sogar Früchte in Form virtueller Kinder (im Folgenden Websites genannt) tragen.
Irgendwann hatte ich die W-Fragen satt, mein Englisch war inzwischen auch nur noch unwesentlich verbesserungswürdig, und meine diversen Pflichten nahmen immer mehr meiner Zeit in Anspruch. Kurz: der Zufallsgenerator blieb aus, die Buddyliste reduzierte sich zusehends und übrig blieben die oben erwähnten beiden Eiskuh-Kontakte.

Vor einigen Tagen erinnerte ich mich an meine virtuellen Weltreisen und beschloss, es nochmal zu versuchen. Manchmal plagt mich eben das Fernweh.
Ich startete den Zufallsgenerator. Lange musste ich nicht warten, bis mich der Erste in meinem Internet-Wohnzimmer besuchte. Aber etwas war anders als früher …
Die W-Fragen hatten sich verändert. Heute lauten sie: Was bist du? (Mann oder Frau?), Wie siehst du aus? Wieviel wiegst du? … und die alles entscheidende Frage: Was hast du gerade an? (…) Klick. Ich danke der Eiskuh für die einfache Bedienung der Ignoreliste.
Na gut, das war ein klassischer Griff ins Klo. Der nächste potenzielle Gesprächspartner hatte in seinem Profil stehen: „decent conversation only“ und gab sein Alter mit 59 an. Der war sicher an einer richtigen Unterhaltung interessiert. In der Tat, er spielte tapfer das W-Fragen- Spiel, sagte mir, was ich doch für eine „interesting woman“ sei und bestätigte, dass mein Beruf „very rewarding“ sein muss. Dann fragte er … was hast du gerade an? Klick.
Neuer Versuch. Ein irischer Verkehrspilot … sagte er. „Very handsome“ kommentierte ich sein Foto, das er mir nach kurzem Gespräch übermittelte. Er sei Single und heiratswillig … ob nicht ich …? Klar, sagte ich ihm „meet me at Frankfurt airport.“ Hm, eine Nacht müsse er vorher aber schon mit mir verbringen … und überhaupt, wie ich denn zu Sex im Allgemeinen und Cybersex im Speziellen stehe … Klick.
Wenn meine Augen an diesem Abend leuchteten, dann nur, weil sie das zarte Hintergrundblau des Monitors reflektierten.
Am folgenden Tag entschied ich, es noch einmal zu versuchen. Es konnte doch nicht sein, dass alle Internetuser da draußen dem Ruf „Notgeile aller Länder, vereinigt euch!“ gefolgt waren und die Herrschaft übernommen hatten.
Er nannte sich Shadow, in Arkansas sei er zu Hause und seit einem Unfall körperbehindert. Ach, verheiratet sei er auch. Machte ja nix, ich wollte ihm nicht auf die Bude rücken, ich wollte mich unterhalten. Wir sprachen über den Unfall, über seine Familie … und dann? „Wie siehst du aus?“ Der Cursor schwebte bereits über seinem Namen. „Let’s put it that way: I’m too short for my weight.“ Kein Problem, meinte er, er würde mich ans Streckbänkchen fesseln … nackt, versteht sich … und mich auf die richtige Länge ziehen … aber erst nachdem seine Lippen … Klick.

Kanada. Wunderschönes Land, an das ich mich gern erinnere.
Seit zehn Jahren lebe er in Toronto, erzählte Mike, sei aber halb Serbe, halb Grieche. Web-Designer sei er und selbstständig. Hurra, ich hatte ihn gefunden, den Mann, mit dem ich ein Plauderstündchen über seine Wahlheimat, über sein Leben, seine Arbeit führen konnte … dachte ich. Wie es üblich ist, schickte er mir nach einiger Zeit ein Foto. Verdammt, der sah aber richtig gut aus. Dann noch eins … diesmal mit nacktem Oberkörper. Auch nicht übel, auch wenn mir eigentlich schnurzpiepegal war, wie er aussieht. Das dritte Foto zeigte neben seinem leicht verklärten Gesichtsausdruck und der bereits bekannten nackten Brust … eine Spitze … und es war nicht die eines Eisbergs! Klick.

Jetzt reichte es! Der Nächste würde dran glauben müssen. Da werden Frauen zu Hyänen … oder so.
„Rick, 53, NY, just smile with me“. Ok, dann würde ich eben mal ne Runde mit ihm lächeln. Das war ja einfach.
Rick lud mich umgehend in den „Echtzeit-Chat“ ein, das sei persönlicher, ergänzte er. Persönlicher daran ist im Grunde nur, dass man seinem Gegenüber live beim Tippen zusieht. Aber gut, Rick mochte es „more personal“ und vergaß nicht, seinem Motto gemäß jeden Satz mit einem *smile* zu versehen. Ob ich gelegentlich cybere, wollte er wissen. Nein, antwortete ich wahrheitsgemäß. „I miss the english words.“ „Oh, I will teach you – let’s be naughty.“
Wie er aufgrund des von mir statt einer Antwort gesendeten dämlich grinsenden Smilies hot und horny werden konnte, entzieht sich meinem Verständnis, jedenfalls seufzte er: „Oh baby, my cock is so hard now.“
Mein Job war einfach. Während ich im normalen Eiskuh-Fenster eine angeregte Unterhaltung über Wohl und Wehe unserer Websites führte, streute ich im Chat hin und wieder ein internationales „oooooooooh“ oder auch mal ein „hmmm“ ein. „Baby, you know how to please a man“, stotterte er. (Die Tippfehler, die er beim mittlerweile vermutlich einhändigen Tippen machte, kann ich leider nicht widergeben.)
„Yeah, baby – you’re a great lover“, seufzte ich und wandte mich dann wieder den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu. Ihn jedenfalls schien das mächtig anzuheizen, denn er erzählte, Tippfehler inclusive, dass er mich wollte, gleich jetzt, gleich hier. „Moment“, sagte ich im Eiskuh-Fenster, „ich komm gleich zurück“, und wechselte zum Chat, wo ich betont sexy seufzte: „Ooooooooh baby, cum for me now.“ So lange, wie seine Antwort diesmal auf sich warten ließ, muss er meiner Aufforderung wohl nachgekommen sein.
„Did you enjoy it, baby?“ Aber klar doch, ich habe selten so gelacht. Klick.

Seit diesem Tag habe ich den Zufallsgenerator nicht mehr betätigt, dafür aber die ultimative Software-Marktlücke entdeckt! Ich erfinde gerade den ersten internationalen Sex-Chat-Generator. Die virtuelle Gummipuppe. Internationales Vokabular inclusive: Aaaah, ooooh, hmmm. Fantasievolle Programmierer senden ihre Bewerbung bitte an virtualsexdoll@eiskuh.com.
27.4.06 01:04





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