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Urlaubsstimmung

Zwei Wochen Urlaub.
Die erste Woche noch gef?llt mit Aufgaben, Aktivit?t und Anspannung. Und jetzt? Alle Aufgaben erf?llt und au?er Hausarbeit nichts mehr zu tun.
Himmlisch!
Zu meinen F??en g?hnt schon der schwarze Krater, seine Rei?z?hne blitzen mich gef?hrlich an. Mutig trete ich gegen ihn an ? wie David gegen Goliath.
Nein, auch diesmal wirst du mich nicht verschlucken!
Ich bin ?berhaupt nicht ?berfl?ssig, warum sagst du das?
Doch, ich darf ruhig auch mal nichts tun. Da brauchst du gar nicht so d?mlich zu lachen!
Ach, das ist mir zu bl?d. Schau dich doch an. Dein einziger Lebensinhalt ist es, mich fressen zu wollen. Ist das etwa besser? Ein paarmal hast du schon gedacht, du h?ttest mich sicher. Hihi, aber ich bin dir immer entwischt. Vergiss das nicht!
Ich hab Urlaub ? da darf ich mich doch wohl noch langweilen, oder?
Und au?erdem sieht das blo? so aus. Ich wei? ganz genau, wie ich meine Zeit sinnvoll verbringen kann. Der Haushalt wartet schon lange auf meine pflegende Hand. Also!
Wie nennst du mich? ?Verzweiflungs-Hausfrau?? Du bringst mich zum Lachen. Ich glaub, du hast Recht damit. Was soll?s, die W?sche kann ich auch noch morgen zusammenlegen.
Lass mich in Ruhe, ich will ein bisschen fernsehen. Ach nee, lieber doch nicht, um diese Zeit laufen diese immer gleichen Proleten-Talkshows und l?sen Fragen wie ?Wer ist der Vater dieses Kindes??, ?Warum putzt mein Nachbar seine Treppe von oben nach unten?? oder ?Wenn ich intelligent w?re, w?rde ich dann hier sitzen??.
Ein Buch! Ich wollte doch schon die ganze Zeit mal wieder was f?r meine Bildung tun.
Was soll denn das jetzt? Warum kitzelst du mich?
Doch, ich wei? ganz genau, was ich mit mir anfangen soll! Lass mich jetzt lesen, verdammt nochmal! Naja, eigentlich k?nnte ich auch mal meine Mutter anrufen. Die war doch gestern beim Arzt, mal h?ren, was es Neues gibt. Ja, grins ruhig, ich wei? ja, dass es mehr Pflichtbewusstsein als echtes Interesse ist. Na und? Immerhin bin ich ihr wichtig.
Deine Z?hne werden ein bisschen stumpf, mein Lieber. Macht dir das keine Angst? Ich meine, wenn du mich wirklich zwischen die Kiefer bekommst, womit willst du mich dann zermalmen? Mit diesen l?cherlich gelben Bei?erchen?
Ich schreibe jetzt ein Geschichte. Basta!
Was du nur immer hast. Ich wollte die ganze Zeit schreiben, alles andere hab ich doch nur gemacht, um einen Text in meinem Kopf reifen zu lassen. Du hast aber auch wirklich ?berhaupt keine Ahnung!
Hm, ich glaub, ich lass ihn noch ein bisschen weiterreifen. So richtig will mir nix aus den Fingern flie?en. Zigaretten hab ich auch keine mehr. Ich geh mal eben welche holen.
Ja, ich wei?, dass du noch da sein wirst, wenn ich zur?ckkomme. Aber vergiss es, du kriegst mich sowieso nicht.
Wei?t du noch, beim letzten Mal? Ich war schon fast in deinen Magen gerutscht, aber dann hab ich mich doch am eigenen Schopf rausgezogen.
Ich bin n?mlich wichtig, wei?t du? Ich werde gebraucht!
Warum ich mich dann so mies f?hle?
Weil ...
Nein, ich bleibe dir keine Antwort schuldig. Du musst nur nen Moment l?nger drauf warten. Gerade hat Luise angerufen. Sie braucht meinen Rat, ich muss ihr beim ?berarbeiten einer Geschichte helfen. Dringend! Ach, und dann war da ja auch noch Elke, die sich unbedingt diese Woche mit mir treffen will. Und ein halbes Dutzend Emails muss ich noch beantworten. Ich m?sste auch dringend noch zur Bank, morgen hab ich ja nen Friseurtermin. Ja, Mensch, und Sebastian hat Geburtstag. Ich muss ihm noch gratulieren.
Du siehst, ich hab jetzt gar keine Zeit, weiter mit dir zu reden.
Sei so gut und h?r jetzt endlich auf zu lachen!





6.9.05 13:15


Nachts geht das Telefon

erscheint in der Anthologie "Verfolgt", Lerato-Verlag - ISBN folgt in Kürze

Nachts geht das Telefon
Und ich wusste schon,
das kannst nur du sein ...
(Zarah Leander)


Nochmal nachsehen, ob die Wohnungstür verschlossen ist. Die Kette ist vorgelegt, der Bewegungsmelder aktiviert. Telefon griffbereit neben mir.
Vorsichtig durch die Ritzen der Jalousie spähen: niemand zu sehen.
Ist die Balkontür auch wirklich zu? Ich schaue lieber nach.
Meine Erregung wächst. Ich spüre, wie die vertraute Gänsehaut meinen Körper emporkriecht, mein Herz schneller schlägt, das Kribbeln in meinem Nacken zu glühenden Nadelspitzen wird. Ich kann ihm nicht entgehen. Was ich auch immer versucht habe, es war von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Fast wolllüstig sehne ich mich nach dem erlösenden Klingeln des Telefons und fürchte es gleichzeitig. Seit jener Nacht vor einem Jahr ...

Ich genoss mein Single-Dasein in vollen Zügen. An jedem Wochenende zog ich mit meiner Clique durch die Discotheken unserer Stadt und meist ging ich nicht allein nach Hause.
„Samantha“, versuchte Karina manchmal, mich zu ermahnen, „Mensch, denk mal drüber nach, was du da machst. Du weißt doch gar nicht, wen du dir da ins Haus holst. Einen Aidskranken vielleicht oder einen Lustmörder!“
„Sei nicht kindisch. Ich weiß, was ich tue“, lachte ich sie dann aus. „Ich seh mir die Typen genau an, keine Sorge.“
In dieser Nacht vor einem Jahr hatte ich keinen „Jagderfolg“ und außerdem ein bisschen zu viel getrunken. Es kostete mich Mühe, die Treppe zu meinem Appartement hochzubalancieren und kaum hatte ich es geschafft, hörte ich von drinnen schon das Telefon läuten. Verdammt, ich hatte vergessen, den Anrufbeantworter einzuschalten. Wenn das nun ein wichtiger Anruf war! Ich beeilte mich, den Schlüssel ins Schloss zu stecken und rannte schnurstracks zum Telefon, kaum dass ich die Wohnungstür hinter mir geschlossen hatte.
„Liborius“, meldete ich mich atemlos.
Schweigen.
„Hallo! Wer ist denn da?“
Atmen.
„Wer ist da, verdammt noch mal?!“
„Hallo Sam, so allein heute Nacht?“, sagte eine männliche Stimme, die mir unwillkürlich Eisschauer über den Körper jagte.
„Wer sind Sie?“
„Du kennst mich nicht, Sam. Aber ich weiß alles über dich. Alles!“ Ein heiseres Lachen schloss sich an.
„Was wollen Sie?“
„Einfache Antwort? Dich!“, zischte er.
Mit zitternden Händen drückte ich die rote Taste am Telefonhörer, dann gleich wieder die grüne. Dieser Irre sollte mich nicht noch einmal erschrecken.
Ich versuchte, mich zu beruhigen. Sicher war das nur ein alberner Scherz meiner Freunde gewesen. Die saßen vielleicht noch in irgendeinem Nachtlokal und lachten sich über mich kaputt.
Als ich am nächsten Morgen ins Büro fahren wollte, fand ich einen Zettel hinter dem Scheibenwischer meines Kleinwagens: „Vergiss nicht. Ich will dich!“, stand darauf. Ich zerknüllte das Papier und warf es scheinbar achtlos in den Rinnstein.
„Samantha, Sie sehen etwas blass aus heute“, bemerkte die Bürovorsteherin, als ich das Büro betrat und fügte mit einem süffisanten Lächeln hinzu: „Tja, das wilde Leben rächt sich, nicht wahr?“
Ich antwortete nicht, setzte das Headset auf und rief den ersten Kunden an.
Zum Mittagessen traf ich mich, wie jeden Tag, mit Karina in der Kantine. Der Bericht von meinem seltsamen Erlebnis entlockte ihr einen besorgten Blick.
„Pass auf dich auf, Sam“, sagte sie zum Abschied. „Bis morgen!“
Als ich nach Feierabend zu meinem Wagen kam, fand ich ihn unangetastet. Erleichtert machte ich mich auf den Heimweg. Ich würde einen gemütlichen Fernsehabend verbringen.
Dann klingelte das Telefon:
„Hallo Sam, wie schön, deine Stimme wiederzuhören.“
„Lass mich in Ruhe, du Spinner!“, brüllte ich in den Hörer, legte auf und hob gleich wieder ab, wie in der letzten Nacht.
Es war wie ein Spiel: Jeden Abend rief er mich an, ich legte auf und am nächsten Tag fand ich einen neuen Zettel an meinem Auto.
Ich rief die Polizei an.
„Solange nicht mehr passiert, können wir nichts tun“, sagte mir der Beamte ...
11.9.05 20:09





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